Eva. Zwei Farben

BRONCIA KOLLER-PINELL "Eva. Zwei Farben" ca.1903/1904

Blatt 5 aus der Mappe „Broncia Koller-Pinell – 10 Original-Holzschnitte“
Edition Tusch 1976. Originalholzschnitt auf Japanpapier.
Blattgröße: 35,5 x 24 cm. Holzstock: 19,5 x 16,5 cm.
Re. unten signiert von Rupert Koller, dem Sohn und Nachlassverwalter.
Li. unten die Auflage: 30/65

Preis: 420 EUR inkl. Rahmen
 

BRONCIA KOLLER-PINELL (*1863 in Sanok; †1934 in Wien) 
Broncia Koller-Pinell entstammt einer jüdisch-galizischen Fabrikantenfamilie. Nach Übersiedelung nach Wien erhält sie, da ihr als Frau der Zugang zu den Kunstakademien verwehrt wird, privaten Malunterricht in Wien und München. Nach Heirat mit dem Elektrochemiker Hugo Koller und einigen Jahren in Salzburg und Nürnberg kehrt sie 1902 als Mutter zweier Kinder nach Wien zurück und kommt in engen künstlerischen und freundschaftlichen Kontakt mit Klimt, Schiele und Kolo Moser. 1904 zieht sie zusammen mit ihrer Familie nach Oberwaltersdorf. Das Wohnhaus wird von Josef Hofmann und Kolo Moser eingerichtet und Mittelpunkt für regelmäßige Begegnungen bedeutender Künstler und Gelehrter der Wiener Sezession.
Dabei ist Broncia Koller-Pinell mehr als nur eine malende Gastgeberin, von ihr gehen wesentliche künstlerische Impulse aus. Anlässlich einer Gemeinschaftsausstellung, der Kunstschau Wien 1909, wird Koller-Pinell´s künstlerische Führungsposition hervorgehoben und der junge Schiele als ein unter ihrem Einfluss stehender Künstler erwähnt. Später wird Koller-Pinell Gründungsmitglied von Schieles Neuer Sezession.
Stilistisch gehört Koller-Pinell zu Beginn des 20.Jahrhunderts zur Avantgarde der Wiener Sezession. Unsere Farbholzschnitte geben ein beredtes Zeugnis von der hohen Qualität und künstlerischen Sensitivität ihrer Auffassung des Wiener Jugendstils.
Broncia Koller-Pinell überlebt die meisten ihrer Künstlerkollegen und öffnet sich nach 1918 einem gemäßigt expressionistischen Malstil. Ihre Tochter Silvia wird in diesen Jahren zu ihrer wichtigsten Ratgeberin. Nach ihrem Tod 1934 weithin in Vergessenheit geraten, wird sie erst in den 80iger Jahren des 20.Jahrhunderts wieder entdeckt und zählt heute zu den bedeutendsten österreichischen Künstlerinnen.
Quelle: The Memory Factory „The Forgotten Women Artists of Vienna 1900_Broncia Koller-Pinell, Julie M. Johnson. Purdue University Press