Abstrakt

HERMANN BACHMANN "Abstrakt"

Öl / Henning-Karton, 18,5 x 25 cm, beidseitig bemalt, 1x sign. und dat. ´56 u.r.

Preis: 1.100 EUR inkl. Rahmen

 

HERMANN BACHMANN (*1922 in Halle (Saale); †1995 in Karlsruhe)
 Hermann Bachmann erhält an der Kunstgewerbeschule Offenbach von 1936 bis 1941 eine Ausbildung als Schriftsetzer und Gebrauchsgrafiker. Gleichzeitig nimmt er privaten Unterricht im Aktzeichnen und Malen bei Otto Fischer-Lamberg in Halle. Nach Verwundung als Soldat im 2. Weltkrieg und Zerstörung von Elternhaus und Atelier in Halle ist er zunächst bis 1953 freiberuflich als Maler in der DDR tätig.
Trotz der großen Resonanz, die Bachmann durch zwei 1948 und 1950 vom Hallenser Galeristen Eduard Henning organisierte Einzelausstellungen erfährt, gerät er als Vorreiter und geistiger Kopf  einer fortschrittlich gesinnten Hallenser Künstlergruppe bald zwischen die Mühlsteine der einsetzenden Formalismusdebatte. „Sein kritischer Geist und geradliniger Charakter sowie seine melancholischen Bilder hatten keine Chance unter den diktatorischen Verhältnissen in der frühen DDR“ (Dorit Litt). Bachmann muss 1953 fliehen und wird mit seiner Familie in West-Berlin vom Galeristen Rudolf Springer aufgenommen und gefördert.
Mitte der 50iger Jahre wird ein fortschreitender Abstraktionsprozess in Bachmanns Arbeiten sichtbar, es entsteht die Serie der ungewöhnlichen „Spiegelfrauen“, die 1955 bei Springer am Kurfürstendamm  ausgestellt wird. Zwei Jahre später malt Bachmann, etwa zeitgleich mit Seidel, Farbfleckenbilder, hinter denen das Figurative zwar noch spürbar, aber nicht mehr unmittelbar sichtbar wird, auch wenn ihnen meist eine figürliche Skizze zugrunde liegt. Anders als bei seinem impulsiv-emotionalen Malerfreund Jochen Seidel bleibt im Schaffen Bachmanns durchgehend ein strukturell ordnendes Prinzip erkennbar.
Der damalige Direktor der Hamburger Kunsthalle, A. Hentzen, schreibt zu Bachmanns Arbeiten: Unter den jungen deutschen Malern scheint er mir in der ersten Reihe zu stehen. Seine Zeichnungen zeigen eine hohe Sensibilität und seine Bilder bei strenger Ordnung der Formen eine hohe  malerische Schönheit.“ Grundsätzlich stellen Gegenständlichkeit und Abstraktion im Werk Bachmanns keine Gegensätzlichkeit dar, sie bedingen sich gegenseitig.
Ab Mitte der 60iger Jahre stellt sich Bachmann vermehrt gegen aktuelle Strömungen und ringt formal wie inhaltlich grenzüberschreitend um neue Bildkompositionen, die in seinem Spätwerk, geprägt durch persönliches Leid, eine nahezu unerträgliche existenzielle Schwere ausdrücken. Bachmann wird wegen seiner sperrigen Ernsthaftigkeit von Kennern auch als „malender Existenzialist“ bezeichnet. Quelle: Dorit Litt, Im Spannungsfeld der Moderne, S 75 ff.